Kompostwerk Lemgo
Hier finden Sie einen Ablaufplan.
Zur Anreise nutzen Sie bitte die Anfahrtsskizze.
Annahmegebäude
Die
Bioabfälle aus der getrennten Sammlung werden in einen Tiefbunker (Bunkervolumen:
300 cbm) abgekippt. Der Bunkerboden ist mit einem hydraulisch angetriebenen
Schubrahmen zur Förderung und Dosierung der Bioabfälle auf das
nachfolgende Förderband ausgestattet. Ein zweiter Aufgabebunker, ausgestattet
mit einem befahrbaren "walking floor", kann falls nötig zur
Zugabe von vorzerkleinertem Baum- und Strauchschnitt genutzt werden.
Aufbereitungshalle
Im
Rahmen von Umbauarbeiten im Jahr 2006 wurde ein zusätzlicher Aufgabebunker
unmittelbar neben der Aufbereitungshalle errichtet. Mit einem Nutzvolumen
von 20 cbm dient er dazu, geshreddertes Strukturmaterial auf kurzem Weg
von der Lagerhalle in den Verarbeitungsweg einzubringen. Wahlweise kann
das Aufgabegut den Mühlen zugeführt oder direkt in die Vorrotte
eingeschleust werden. Im Bedarfsfall kann hier auch der Bioabfall aufgegeben
werden.
Über
ein Dosierband und eine Verteilwalze wird der Bioabfall einem Sternsieb
zugeführt, das den Siebdurchgang von < 80 mm vom Überlauf trennt.
Das Oberkorn wird in den Schraubenmühlen zerkleinert und einem 2. Sternsiebdeck
zugeführt. Das Unterkorn < 60 mm aus der 2. Siebstufe wird gemeinsam
mit dem des 1. Siebes direkt in die Vorrotte gefördert. Der Siebüberlauf
(ca. 10 % vom Inputmaterial) besteht zu ca. 30 % aus Folien, Textilien und
anderen Störstoffen. Er wird extern verwertet.
Zur
Zerkleinerung des Siebüberlaufs des ersten Sternsiebes werden zwei
Schraubenmühlen eingesetzt. Bei den langsamlaufenden Mühlen erfolgt
die Zerkleinerung durch ein 3-Walzen-System in Verbindung mit einem Gegenmesser.
Jede Mühle besitzt einen elektrischen Antrieb von 90 kW. Die Durchsatzleistung
beträgt max. 36 Tonnen pro Stunde je Aggregat.
Zwei Überbandmagnete dienen zur Abtrennung von Eisen - Metallen,
der erste ist vor den Schraubenmühlen installiert, der zweite
über dem Band, welches das Siebunterkorn in die Rotte befördert.
Die metallhaltigen Störstoffe werden in einen Sammelcontainer
abgeworfen und über den Schrotthandel entsorgt.
Vorrotte
Insgesamt
sind 14 Intensiv-Rotteboxen mit einem Füllvolumen von je 225 cbm installiert.
Vier Boxen davon werden als Vorrotte-Boxen genutzt. Durch Selbsterhitzung
auf 40-50°C, Ansäuerung und Homogenisierung wird der Bioabfall
optimal auf die Vergärung vorbereitet. Die Abfälle lagern 3-5
Tage in den Vorrotte-Boxen. Danach wird der Bioabfall in die Vergärung
gefördert. Die Rotteboxen werden über Spiralförderer und
Verteileinrichtungen beschickt. Die Entleerung erfolgt automatisch über
den Schubboden und weitere Spiralförderer.
Vergärung
In drei liegenden Stahlbeton-Fermentern mit einem Volumen von
je 820 cbm findet die Vergärung statt. Jeder Fermenter ist mit
je 5 Rührwerken ausgestattet. Ein Heizungssystem im Boden und
den Wänden hält das erforderliche Temperaturniveau von 50-
52°C aufrecht.
Im luftdicht abgeschlossenen Fermenter zersetzen methanbildende Bakterien
den zerkleinerten Bioabfall und bilden dabei das energiereiche Gas
Methan (CH4), auch Biogas genannt. Insbesondere leicht abbaubare Materialien,
wie Rasenschnitt, Speisereste etc., die bei der Kompostierung zu Geruchsproblemen
führen können, werden so in kurzer Zeit weitgehend zu Biogas
umgesetzt. Das durch die Methanbakterien erzeugte Gas wird im oberen
Bereich des Fermenters abgezogen und zur Gasaufbereitung geleitet.
Nach 21 Tagen wird das Gärgut über ein Druck-Vakuum-System
ausgetragen und mit Press-Schnecken-Separatoren entwässert. Das
flüssige Presswasser wird mit der Abwärme aus dem BHKW (Blockheizkraftwerk)
eingedickt, hygienisiert und zur weiteren Abgabe an die Landwirtschaft
in einem Lagerbehälter zwischengelagert. Die feste Phase mit
einem Trockensubstanzanteil von ca. 40 % wird zur Nachrotte in 9 Rotteboxen
zurückgeführt und unter Beimischung von zerkleinertem Strukturmaterial
weitere 20 Tage kompostiert.
Zum kurzfristigen Ausgleich von Gas-Produktionsschwankungen ist ein
druckloser Gasspeicher installiert. Er besteht aus einem Polyestergewebe
mit Kunstharzbeschichtung. Im Entschwefler wird das Biogas nach dem
Prinzip der chemischen Trockenentschwefelung gereinigt. Der Behälter
ist mit eisenoxidhaltigen Pellets gefüllt. Eine Gasfackel verbrennt
das Biogas, wenn aus betrieblichen oder anderen Gründen das Gas
nicht energetisch verwertet werden kann. Die Fackel stellt sicher,
dass kein Biogas unverbrannt in die Atmosphäre gelangen kann.
Stromerzeugung
Das Blockheizkraftwerk (BHKW) besteht aus 2 Modulen mit einer elektrischen
Leistung von insgesamt 938 kW. Installiert sind Mager-Gemisch Gas-Otto-Motoren
mit Turbolader. Das Abgas wird über einen Oxidations-Katalysator
gereinigt. Die Abwärme aus dem BHKW wird für die Beheizung
der Fermenter, für die Eindampfung des Presswassers und für
die Hallenheizung genutzt.
Die erzeugte elektrische Energie (ca. 6 Mio. kWh pro Jahr) wird direkt
in das öffentliche Netz eingespeist. Die Anlage produziert für
ca. 1.500 Haushalte Strom aus regenerativer Energie und trägt
somit erheblich zur CO2-Minderung (Einsparung von rund 30.000 t CO2
aus fossilen Brennstoffen) bei.
Abluft
Über
große Abluftkanäle wird die geruchsbeladene Luft aus der Rottehalle
mittels großer Ventilatoren abgesaugt und zunächst durch die
Wäscher gedrückt.
In einer sauren und in einer alkalischen Phase werden die Gerüche
gebunden (Behandlungskapazität von je 50.000 cbm Abluft pro Stunde).
Zur weiteren Desodorierung wird die Luft durch einen nachgeschalteten
Biofilter geleitet.
Nachrotte 
Ein Transportband fördert den ausgereiften Kompost aus der Rottehalle
in eine überdachte Lagerhalle zur 4-wöchigen Nachrotte.
Danach wird der Kompost feinaufbereitet (abgesiebt und von Störstoffen
befreit) und zwischengelagert.
Endprodukte
Insgesamt werden im Kompostwerk Lemgo im Jahr aus 43.000 t Bio- und
Grünabfällen ca. 10.000 Tonnen Kompost
und 10.000 Tonnen Gärprodukte erzeugt und an Abnehmer in der
Landwirtschaft, Garten- und Landschaftsbau und Privatpersonen abgegeben.
|
Hier finden Sie einen Ablaufplan.
|